#1 Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von Bin Online 12.09.2014 21:55

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Bernd Zeller ist deutscher Satiriker, Cartoonist und Autor.
Seit letzter Woche erlaubt er dem Pharus Forum seine Cartoons und Texte zu veröffentlichen.
Jetzt erschien sein Buch Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? Der große Vergleich DDR—EU”

Der kompromisslose Vergleich zwischen dem Gesellschaftssystem der DDR und dem der EU vermittelt erstaunliche Erkenntnisse, die allem Ernst zum Trotz schmunzeln lassen.



Ein Auszug aus “Hat sich die Wende überhaupt gelohnt?Buchauszug: Der große Vergleich DDR—EU”

Es ist nun schon wieder fünfundzwanzig Jahre her und bald noch länger, dass mit Wende und
Wiedervereinigung die Grundlagen für die europäische Einigung gelegt wurden, denn mit
der DDR wäre keine EU möglich gewesen. Insofern verbietet sich von selbst jede Frage da‐
nach, ob sich die Wende gelohnt habe, schließlich profitieren wir alle von Großeuropa, ob
uns nun immer so klar ist oder nicht, wer mit wir eigentlich gemeint sein soll.
Dennoch bietet ein solches Jubiläum den Anlass für einen Ausblick auf Visionen, die man nur
in der Rückschau sieht. Es soll auch nicht der Anschein entstehen, als scheue Europa diesen
Vergleich.

Betrachten wir also fair und sachlich die Umstände und Erscheinungen in beiden Staatswe‐
sen bezogen auf das Leben der Menschen, wobei eingeräumt sei, dass gerade diese Objekti‐
vität der DDR einen Vorteil im emotionalen Bereich verschafft. Auf persönlicher Ebene gibt
es bei ehemaligen DDR‐Bürgern, den echten Ossis, etwas Einmaliges: die DDR‐Biographie.
Sie ermöglicht es, Befindlichkeiten als absolut auszugeben und dafür Respekt einzufordern,
als wäre das Dabeisein eine Leistung. Ein europäisches Gegenstück gibt es nicht. Niemand
hat eine EU‐Biographie, außer vielleicht Martin Schulz und nicht einmal der. Aber das kann ja
noch werden, die EU wird schließlich immer besser.
Die DDR auch.

Starten wir also bei Punktegleichstand.

Parlament

Beginnen wir unsere Untersuchungen an einer politischen Institution von nachrangiger Be‐
deutung, damals und jetzt, den Parlamenten. Die DDR‐Volkskammer besticht gegenüber
dem EU‐Parlament mit ihrer Bescheidenheit in Anzahl der Abgeordneten, Ausstattung und
Prunk. Sie tagte im Palast der Republik, hatte keine Kompetenzen und diente zur Wahrung
des Anscheins einer Mehr‐Parteien‐Demokratie. Das EU‐Parlament tagt verschiedenenorts,
hat mehr Mitarbeiter, Abteilungen und Arbeitsstäbe und auch keine Kompetenzen. Damit ist
die Volkskammer bereits effizienter.
Für die Wahrung des Anscheins einer pluralistischen Demokratie hingegen ist das EU‐
Parlament weder zuständig noch in der Lage, hier kann man demnach ein höheres Maß an
Ehrlichkeit verorten.
Dennoch war das Mandat in der Volkskammer eine Ehre. Sogar eine im Vergleich zu anderen
damaligen Ehren recht ehrenvolle. Das lag nicht nur daran, dass es sich um das einzige Par‐
lament handelte, womit bereits eine gewisse Exklusivität verbunden ist, zudem wurde Wert
darauf gelegt, dass die Abgeordneten ansonsten einer richtigen Arbeit nachgehen. Natürlich
war damit bezweckt, dass sie nicht auf die Idee kommen, das Parlament mit einer Bedeu‐
tung aufzuladen, die ihm nicht zukam. Eine Sorge, die unbegründet ist, wie die heutigen Par‐
lamente zeigen.
EU‐Parlamentarier zu sein, bedeutet das Gegenteil einer Ehre. Man hat für gewöhnlich einen
schmählichen Abgang hinter sich und soll auch noch denen dankbar sein, die einen nach Eu‐
ropa abgeschoben haben.
Da Ehre heutzutage kein positiv besetzter Begriff ist, kann der Punkt noch nicht an die DDR
gehen.
Die Sitzverteilung war quotiert, alle Parteien und Massenorganisationen hatten eine festge‐
legte Zahl von Abgeordneten, damit alle Kräfte sich auf Augenhöhe vertreten fühlen. Dazu
wird das EU‐Parlament erst noch kommen.
Der entscheidende Aspekt liegt in der Wahl. In der DDR konnte man dadurch, nicht zur Wahl
zu gehen, Protest und Widerstand ausdrücken. Ähnliches ist heute nicht möglich, Nichtwäh‐
ler interessieren noch weniger als Wähler, das Parlament wird immer voll. Da müssten schon
die Kandidaten selbst nicht wählen.
Deshalb geht der Punkt an die DDR für das demokratischere Parlament.

Autos

Sieht man einmal davon ab, dass es damals mit einem DDR‐Auto möglich war, das staatliche
Territorium an einem Tag zu durchqueren, hingegen es mit einem heutigen nicht zu schaffen
ist, in derselben Zeit durch Europa zu reisen, ist gar nichts anderes möglich, als den Auto‐
Punkt der EU zu geben. Der Trabant und sein Gehilfe Wartburg waren Meisterwerke der
Technik der Zwanzigerjahre, der Benzinverbrauch entsprach auf die Leistung bezogen dem
eines Rolls Royce; sie verursachten Lärm einer solchen Lautstärke, als hätten alle Bürger
schon ihre Wartezeit herum und den Motor angeworfen, ganz zu schweigen von der Um‐
weltbelastung – es ist erstaunlich, dass dort, wohin die Autos fuhren, überhaupt noch Um‐
welt gewesen sein soll.
Dafür war es leichter, einen Parkplatz zu finden.

Autobahn

In der DDR wäre niemand auf die Idee gekommen zu sagen: „Wenigstens hat er die Auto‐
bahnen gebaut“, denn man fuhr noch auf den Originalen.
Auch die Autobahnraststätten müssen noch die ursprünglichen gewesen sein, vermutlich
auch die servierten Speisen und der Kaffee.
Heute ist das alles bequemer, man fährt rüttelfreier und kann an Fast‐Food‐Restaurants her‐
anfahren. Bei den Auffahrten muss man nicht mehr anhalten und warten, bis mal keiner
kommt.
Aber in der DDR herrschte das Tempolimit von einhundert Stundenkilometern. Das ist ja nun
der Traum aller heutigen Verkehrsexperten. Dieser Punkt muss an die DDR gehen.


Fernsehen

Etwas anders sieht es beim Fernsehen aus, soweit es sich nicht für journalistisch hält. Für das
DDR‐Fernsehen spricht eine Menge. Es unterlag, obwohl staatlich, keinem öffentlichen Ver‐
dummungsauftrag. Eine Zielgruppe war nicht bekannt, deshalb meinte man nicht, alle zu
erreichen, indem man noch blöder wird.
Es gab keine Casting‐Shows.
Die internationale Show mit ausländischen Gästen kam ohne Wetten aus, allerdings wäre
auch sie von Markus Lanz runtergenudelt worden.
Die Nachrichtensendung Aktuelle Kamera hatte keinen unwitzigen Satire‐Ableger Aktuelle‐
Kamera‐Show.
Nicht ganz eindeutig ist, was mit dem Schwarzen Kanal zu vergleichen wäre. Fernsehschnip‐
sel kommentieren, das hat Stefan Raab abgeguckt. Den Titel Schwarzer Kanal hat Jan
Fleischhauer auf Spiegel‐Online übernommen, und den Job von Karl‐Eduard von Schnitzler
verübt am selben Kolumnenplatz der Verleger des Freitag.
All das Schätzenswerte wird aber aus zwei Gründen vom heutigen Fernsehen übertroffen.
Erstens sind die Fernseher heute größer. Zweitens wären da die Fernsehkrimis. In den DDR‐
Krimis waren die Polizisten immer die Guten und die Verbrecher die Bösen. Heute sind zu‐
mindest im öffentlich‐rechtlichen Gremienfunk die Polizisten zwiespältig bis gangstermäßig
gestrickt, was dem herrschenden Bild von der Polizei entspricht. Die Kriminalisierten haben
soziale Ursachen, wenn es sich nicht gerade um Unternehmer als Täter handelt, die aber
meistens gerechterweise in einer Art Notwehr einer Verzweiflungstat zum Opfer fallen, falls
man da noch von Opfer sprechen kann.
Unter den schwerwiegenden sozialen Aspekten geht der Fernsehpunkt an die heutige Fern‐
sehlandschaft.

Hauptstadt

Der Vergleich der Hauptstädte ist nahe am Unentschieden. Ostberlin und Brüssel haben als
Gemeinsamkeit eine verbotene Zone, die man nur unter Lebensgefahr begehen kann. Der
Unterschied besteht darin, dass man, wenn man die Grenze erfolgreich überwunden hat, in
Westberlin angekommen ist und sich einigermaßen sicher fühlen kann, in Brüssel jedoch
eine Art Slum oder Failed State betritt. Aber das muss ja niemand.
Beiden Staatswesen ist das Bestreben eigen, diesen Zustand auf andere Ortschaften zu über‐
tragen. Jede größere Stadt hat heutzutage mindestens einen Stadtteil, der als Problembezirk
bezeichnet wird, damit es sich so anhört, als wären die Probleme eingegrenzt. Die DDR schuf
städtische Westteile durch die Einrichtung der Intershops.
Um dem Unentschieden zu entgehen, richten wir unser Augenmerk auf die Befindlichkeit
der Westberliner. Sie denken mit Wehmut an die Mauer zurück, die ihnen ein Leben in Saus
und Braus garantierte. In Brüssel hat niemand die Absicht, eine solche zu errichten, was ja
ganz furchtbar ausgrenzend wäre. Wegen der Freude, die man in Westberlin an der Insellage
hatte, gewinnt hier die DDR.

Toilettenpapier

Eine Zeitlang gab es keins, damit die Bevölkerung mehr Zeitungen kauft. Aber das ist nicht
der Punkt, auf den es ankommt.
Gab es welches, dann das Grobkrepp mit Sandpapierfühlung. Der Witz, damit wäre be‐
zweckt, noch mehr gerötete Hinterteile zu erzeugen, erlangte traurige Berühmtheit.
Was fehlte, war der heute als selbstverständlich angesehene Kern der Papprolle, um den das
Klopapier herum aufgewickelt ist. Der ist auch völlig überflüssig. Die Beschränkung aufs We‐
sentliche zeigte sich ebenso im Fehlen der Perforation, an der man einzelne Blätter abreißt.
Als ob man es nötig hätte, vorgeschrieben zu kriegen, und sei es auch nur in Form einer Hil‐
fe, wo man das Klopapier abreißt. Die Bevormundung des DDR‐Bürgers erstreckte sich also
keineswegs auf alle Lebensbereiche.
Heute droht eine Spaltung der Gesellschaft in mindestens zwei Klassen hinsichtlich der Be‐
nutzung ihres Toilettenpapiers. Die Reichen können sich ökologisch recyceltes und dennoch
extraweiches saugverstärktes allergiepräventives mit Erdbeerduft leisten, während die Ar‐
men mit billigem extraweichem saugverstärktem genmanipuliertem Vorlieb nehmen müs‐
sen, für das ganze Eukalyptuswälder abgeholzt wurden.
Der Toilettenpapier‐Punkt geht eindeutig an die DDR.

Zeitungen

Eine Zeitlang kaufte man sie als Ersatz für nicht erhältliches Toilettenpapier, aber das ist
nicht der Punkt, auf den es ankommt. Das Massenmedium Zeitung diente nicht der Informa‐
tion, sondern der Propaganda. Erfolge bei der Planerfüllung und der Besuch Erich Honeckers
im Ministerium für Volksbildung bei der Ministerin für Volksbildung Margot Honecker und
die Begrüßung der sowjetischen Delegation waren nicht etwa eine ausgiebige Meldung wert,
sie geschahen eigens als Stoff für ausgiebige Meldungen der täglichen Zeitungen, wobei man
annehmen kann, dass Besuch und Empfang wirklich stattfanden, wogegen die Erfolge in der
Produktion keine Vorlage in der Realität hatten. Die DDR‐Zeitungen waren demzufolge die
Vorwegnahme des heute gängigen Formats der Scripted Reality.
Das Sympathische war, dass sie sich keine Mühe geben mussten, die Verlogenheit auch noch
überzeugend zu gestalten. Geglaubt hat den Kram sowieso keiner, man war aber überzeugt
und froh, sich die Überzeugung nicht auch noch selbst vorschwindeln zu müssen.
Das ist nun bei den heutigen Zeitungen ganz anders. Hier wird Propaganda betrieben auf
perfide, emotional abgesicherte Art. Der Leser soll glauben, was da beschönigt und verharm‐
lost wird. Ein hochbezahlter Experte sagt: Kein Problem. So was hätte es in der DDR nicht
gegeben, da gab es keine Probleme, die ein Experte hätte leugnen müssen.
Die Trennung von Meinung und Fakt wird den Journalistenschülern noch als Wert bekannt‐
gegeben, doch schon von den sie unterrichtenden Großjournalisten missachtet, mit bestem
Gewissen, weil sich die Fakten der Meinungslage in der Redaktion zu fügen haben.
DDR‐Journalismus hatte Klassenstandpunkt zu vertreten, den das Politbüro langwierig ermit‐
telt hat. Die mussten das so machen, das war der Deal. Kein Leser hätte etwas anderes er‐
wartet.
Die heutigen Journalisten müssten ihren Unsinn nicht selbst glauben, wollen aber, und die
Leser erst recht.
Den Punkt für Zeitungen hat sich die DDR redlich verdient.

Merkel

Angela Merkel war in der DDR Physikerin und ist jetzt Bundeskanzlerin. Ohne Frage geht der
Punkt an die DDR.

Kartoffeln

Bei einem heutigen Sack Kartoffeln liegt der Kartoffelanteil bei nahezu einhundert Prozent.
In der DDR lag er nach Abzug von Fäulnis und Dreck zwischen dreißig und zweiunddreißig,
bei neuen Kartoffeln um die fünfzig Prozent. Die Kartoffelzüchtung wurde, wirklich, aus ideo‐
logischen Gründen vernachlässigt; man ging davon aus, dass die Kartoffeln unter sozialisti‐
schen Bedingungen aufwachsen und deshalb bestens gedeihen müssen. Die Prämisse stimm‐
te ja auch, nur die Schlussfolgerung erwies sich als irrtümlich beziehungsweise hätte sich als
irrtümlich erwiesen, wenn es Irrtümer unter sozialistischen Bedingungen hätte geben und
deren Erweis beachtet werden dürfen. Aber das hätte bedeutet, dass man darüber nach‐
denkt, was die Kartoffeln über die sozialistischen Bedingungen aussagen.
Die heutigen Kartoffeln sagen nichts über ihre sozialen Hintergründe, und das ist sehr ange‐
nehm. Der Punkt geht nach Europa.

Rechtsstaatlichkeit

Eine der bizarrsten Debatten, die regelmäßig durch die Feuilletons schwappt, ist die, ob es
sich bei der DDR um einen Rechtsstaat oder bloß keinen Unrechtsstaat gehandelt habe.
Als Rechtsstaat hätte sich die DDR nicht einmal selbst bezeichnet, Rechtsstaatlichkeit war
überhaupt kein Wert, weder ein propagierter noch ein praktizierter. Justiz gehört zum Staat
und ist damit Teil des Machtinstruments der herrschenden Klasse, hat demzufolge im Sozia‐
lismus Justiz der Arbeiterklasse zu sein. Das Recht unterlag, ganz unverhohlen, den Interes‐
sen der Partei.
Rechtsstaatliche Ansprüche waren damit nicht verbunden. Das hätte man gesagt gekriegt,
„der Sozialismus ist die höchste Form der Rechtsstaatlichkeit“. War nicht.
Öffentlich tauchte das Wort einmal auf von Gregor Gysi ausgesprochen; die neu einzurich‐
tenden Verwaltungsgerichte seien ein Schritt in Richtung Rechtsstaatlichkeit. Ein Schritt in
diese Richtung kann nur von woanders her gegangen werden. Ob das so gewesen wäre, war
nicht mehr zu erleben. Sozialistische Verwaltung kontrolliert durch Verwaltungs‐
Klassenjustiz, spannend.
Im Nachhinein ist man geneigt zu glauben, die anwaltsfreie Rechtsordnung bedeute, na ja,
da ist eben alles ein bisschen strenger, passt man eben etwas besser auf und hält sich an die
Regeln. So einfach war es ja nun auch wieder nicht. Zwar war anders als heute Mord als sol‐
cher angeklagt, verurteilt und bestraft. Im Alltag aber war in dem Nicht‐Rechtsstaat über‐
haupt nicht eindeutig klar, was nun eigentlich erlaubt ist – da kann es sein, man kriegt von
offizieller Seite was geboten, wo andere für weniger eingebuchtet wurden. Man ist also lie‐
ber vorsichtig, und zwar lieber zu vorsichtig, fällt am besten gar nicht auf, denkt sich seinen
Teil, wenn überhaupt.
Genau wie jetzt.
Während die heutige Erosion des Rechtsstaates dem vorgeblichen Anspruch komplett wider‐
spricht, ging es damals gemessen am eigenen Anspruch, kein Rechtsstaat zu sein, nun wieder
recht rechtsstaatlich zu. Den Punkt kriegt die DDR.

Überwachung

Wie man sich denken kann, geht der hier zu vergebende Punkt nicht etwa an die bessere
Überwachung. Es geht darum, bei welcher es sich um die humanere Form handelt, ohne mit
dieser Formulierung schon die DDR einseitig zu bevorzugen.
Heute werden bekanntlich Daten, die es damals gar nicht gab, in unüberschaubaren Mengen
abgeschöpft, gesammelt und gespeichert. Nur die Daten, aber aus denen besteht man heut‐
zutage nun mal. Die meisten dieser Daten sind unbescholten, werden aber trotzdem ver‐
dächtigt und in Untersuchungshaft gelagert. Man erfährt nicht einmal, von wem man gene‐
ralverdächtigt wird: von einem Programm oder einem Computersystem oder von Drohnen.
Die damit einhergehende Verunsicherung, die in Verängstigung münden kann, kommt da‐
her, dass man überhaupt nicht einschätzen kann, was von einem denn nun erwartet wird.
Was will die Überwachungskamera? Dass man keinen Raub begeht? Das kann nicht sein, das
würde nie ausreichen, um einen Überwachungsstaat zu installieren. Sollen Polizisten einge‐
spart werden? Wäre denkbar, wohl eher werden die Polizisten als Geheimpolizisten ge‐
braucht. Sagen kann man alles, aber man braucht als harmloser Bürger nur zufällig mal seine
Drogen bei einem Handelsvertreter der Taliban zu bestellen, schon ist das Telefonat mit Te‐
lefonnummer in der Verbindungsdatendatei.
Experten, und wer wäre das nicht, äußern öfters, von einer solchen Datenerfassung hätte die
Stasi nur träumen können. Nicht ganz richtig. Der Traum der Stasi war, dass die Leute erst
gar kein Telefon haben, wo sie sich über die Konterrevolution oder die Entschleunigung des
Klassenkampfes unterhalten könnten.
Dieser Traum war in Erfüllung gegangen.
Man könnte sich durch die Unmassen von Daten in Sicherheit wiegen, doch gerade das muss
Teil des Tricks sein, wie auch die Proteste gegen die Überwachung. Man soll sich nicht ein‐
mal mehr darauf verlassen können, dass ein Überwachungsstaat einer ist, in dem man das
Wort Überwachungsstaat lieber nicht ausspricht.
Dessen konnte man sich in der DDR ganz sicher sein. Das Überwachungssystem bestand aus
Leuten, die niemandem geschadet haben und nur unwichtige Details weitergaben. Das Ver‐
hältnis war ohnehin viel persönlicher. Nicht jeder Sicherheitsdienst legt Wert auf freund‐
schaftliche Beziehungen zwischen seinen Mitarbeitern und den Objektelementen. Sogar ar‐
rangierte Eheschließungen sorgten für manches zwischenzeitliche Happy‐Ending.
Desgleichen schneidet die DDR im Vergleich mit den heutigen analogen Überwachungsper‐
sonen besser ab, das sind solche, die ihren Herrschaftsanspruch verdeutlichen durch ideolo‐
gisch legitimierte Aggressionen. „Das heißt Sinti und Sintinnen!“ oder „Wir brauchen mehr
und du bist rassistisch!“ Sie überwachen des Überwachens wegen, es geht ihnen nicht um
den Nutzen für etwaige Schützlinge, sondern allein um das Vorschieben von angeblich zu
schützenden Unterarten zwecks eigener Machtausübung im eigenen Interesse.
Gegenüber diesem Überwachungswesen bestand in der DDR geradezu Gewaltenteilung zwi‐
schen Politik und Sicherheitsapparat.

Wellness

Betrachtet man das allgegenwärtige Angebot an Wellnessoasen, Spaßbädern,
Wohlfühlreisen, Angenehmmachprogrammen und Entspannungskursen, wovon in der DDR
nichts zu finden war, kommt man zu der Schlussfolgerung, dass damals so etwas überhaupt
nicht benötigt wurde, weil das Wohl des Volkes bereits staatlich garantiert war.
Diesen Punkt gewinnt die DDR.

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#2 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von universumtv 12.09.2014 22:25

Puh, dafür langt heute die Zeit nicht mehr. .....

#3 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von Gilmoregirl 12.09.2014 22:29

Autos... dafür hielten trabi & wartburg länger

#4 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von Bin Online 12.09.2014 22:36

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Der Toilettenpapier‐Punkt geht eindeutig an die DDR.

#5 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von Gilmoregirl 12.09.2014 22:40

warum war es so rauh?
damit auch der letzte A...rot wird.

#6 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von Bin Online 12.09.2014 22:44

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lol
Die DDR-Witze waren schon Extra-Klasse

#7 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von Gilmoregirl 24.09.2014 15:19

Drei von vier Ostdeutschen sagen: JA!
Die Westdeutschen sehen das nicht ganz so rosig.

http://www.mdr.de/wissen/infratest100_zc...s-5416865b.html

Zitat
Vor allem die 14- bis 29-jährigen sehen die deutsche Vereinigung sehr positiv. Im Osten sagen 96 Prozent: "Das hat alles in allem für mich eher Vorteile gebracht.



Da muss ich jetzt aber schmunzeln. Während die 14 jährigen gar keinen Vergleich mehr haben, lernten die 29- jährigen zumindest noch DDR -Kinderkrippe kennen.

#8 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von Bin Online 24.09.2014 16:39

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Die 14-jährigen sind noch nicht so festgefahren und ideologisiert, als Erwachsene und haben vielleicht eine bessere Wahrnehmung dadurch?

#9 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von pinguin 24.09.2014 18:06

Zitat von Gilmoregirl im Beitrag #7
Drei von vier Ostdeutschen sagen: JA!
Die Westdeutschen sehen das nicht ganz so rosig.

http://www.mdr.de/wissen/infratest100_zc...s-5416865b.html

Zitat
Vor allem die 14- bis 29-jährigen sehen die deutsche Vereinigung sehr positiv. Im Osten sagen 96 Prozent: "Das hat alles in allem für mich eher Vorteile gebracht.


Da muss ich jetzt aber schmunzeln. Während die 14 jährigen gar keinen Vergleich mehr haben, lernten die 29- jährigen zumindest noch DDR -Kinderkrippe kennen.



WO hat man denn die 14-29 jährigen befragt?? Und das ein 14jähriger Ahnung von diesen Geschehnissen haben soll, zweifle ich auch stark an. Die meisten in dem Alter sind doch zu doof, ein Loch in den Schnee zu pissen. Und dann sollen die Meinung zur Wende haben?? Und die Altersklassen drüber sind auch nicht besser!!

Traue keiner Statistik! Es sei, du hast sie selbst gefälscht

#10 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von Bin Online 24.09.2014 18:21

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Also ich weiß nicht so recht.
Ich war Mitte 1990 mal eine zeitlang in Frankfurt a.d. Oder und habe mich gewundert, wie schnell und vertraut deutsche und polnische Jugendliche miteinander umgingen. In dem Alter hat man einfach keine Vorurteile.

Selber bin ich Jahrgang 53 und als Kind sah ich noch genügend Ruinen, trotzdem war das 3. Reich für mich nicht vorstellbar, weder positiv, noch negativ. Es war zuweit weg, allerdings gab es damals nahezu keine Medien. Im Fernsehen durfte ich auch nur das Ratequiz Hätten Sie’s gewusst? mit Heinz Maegerlein ansehen, damit ich was lerne.
Der Eichmann-Prozeß war für mich tabu, dies sei für Kinder nichts, meinten sie.

#11 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von universumtv 24.09.2014 20:18

Ich habe da so meine Zweifel, was den Nutzen angeht. Und liege damit bestimmt nicht alleine falsch, oder?? Und ich denke da nicht nur an die Kosten....

#12 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von Bin Online 24.09.2014 20:37

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uni,

mit Deiner Meinung bist Du ja nicht alleine, jeder zweite Westbürger sieht es eher skeptisch.
Ich sehe es wieder positiv, da ich die Deutsche Einheit auch als eine Friedenssicherung sehe.

#13 RE: Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? von universumtv 24.09.2014 21:51

Bin Online,
das ist EIN Aspekt. Wir sind aber nicht nur von "Ost"-Seite "bedroht" gewesen. Uns wurde das so DARGESTELLT. Und wir haben es geglaubt, weil wir dieses Feindbild seit Jahrzehnten eingbleut bekamen.. Frieden war auch nicht der Hauptgrund für diesen Schritt.
Nichtsdestoweniger haben auch die "Ossis" eine Menge verloren, was auch für unsere Verhältnisse sinnvoll und nützlich gewesen war/wäre . Und ich sags mal deutlich, man hat die in Windeseile übern Löffeln balbiert und nach Strich und FAden betrogen und belogen. Uns übrigens auch. Die Wessis hatten, wie immer, das schnelle Geld vor Augen. Und haben die Leute sowas von abgezockt.
Und hier? Man hat uns auch beschissen, tut es noch, und nutzt die "Einheit" heute noch für so manche Ausrede. Alle möglichen Gelder, auch die der EU, wurden zum grossen Teil zweckentfremdet verwendet, nachgewiesenermaßen AUCH und besonders der "Soli". Und so manche "neue" Abgabe hat seinen Grund in der jahrzehntelangen Schieberei und Schlamperei, weil jeder Wahlkämpfer seine >Versprechen zuerst mal finanzieren wollte.
Aber, Bin Online, wenn ich das alles hier schreiben würde, langt meine Zeit nicht und würde jede Menge Themen berühren. Und eines glaube ich nie und nimmer: die angeblichen Ergebnisse der genannten Umfrage, vor allem die der Altersklasse. Die sind nämlich gänzlich irrelevant, weil NIE direkt betroffen!

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